Iftar 2019

Miteinander teilen, was einem wichtig ist – Worte zur Interreligiösen Lesung in der Friedenskirche

Rund um das „Café der Begegnung“ und das „Café Abraham“ in Alt-Pankow sind in den letzten Jahren viele Aktionen entstanden, bei denen sich Menschen unterschiedlicher Religionen begegnen. Dabei wird miteinander geteilt, was einem wichtig ist. Im Rahmen des muslimischen Fastenbrechens (IFTAR) fand am 31. Mai eine Interreligiöse Lesung statt mit anschließendem Essen. In der Kirche, im Chorraum unter dem großen Kronleuchter, standen 35 Stühle bereit. Von Orgelmusik umrahmt wurden Psalmen aus der Bibel und Suren aus dem Koran gelesen. In beiden Sprachen: arabisch und deutsch.

Werden wir nur für uns lesen? Werden aus der Gemeinde Leute kommen? Wer von den Muslimen wird zuhören? Das waren Fragen, die die Vorbereitenden beschäftigten.

Wie überwältigend war das Ergebnis. Muslime aus dem IZDB Wedding, Gemeindemitglieder aus Niederschönhausen und Alt-Pankow, Freunde aus den Cafés und einige mehr fanden den Weg in die Kirche. Längst reichten die Stühle nicht aus. Muslime, Christen und Atheisten saßen beieinander. Manches mutete zunächst befremdlich an. Aber die Stimmung war so einladend, dass man sich gut auf Neues einlassen konnte. Nichts wurde übergeholfen. Nichts wurde verfremdet. Nichts wurde verbogen. Jeder teilte, was einem wichtig war.

So erfüllten sich die Worte, mit denen ich zu Beginn bekannte und unbekannte Gesichter begrüßte: Wir treffen uns heute im wörtlichen Sinn zum Teilen. Wenn die Sonne untergeht teilen wir das Essen. Iftar, so habe ich es gelernt, ist ein Fest des Teilens. Jetzt schon teile ich mit Ihnen diesen Raum. Er ist ein wichtiger Teil meiner religiösen Kultur. Hier bete ich mit anderen für Frieden und Gerechtigkeit. Hier weine ich mit anderen über Krieg und Zerstörung. Hier lebe ich mit anderen die Hoffnung, dass Gott eines Tages das Angesicht der Welt verwandeln wird. Heute Abend werden wir hier Texte miteinander teilen. Nebeneinandergestellt – in verschiedenen Sprachen – teilen sie mit uns ihre alten Bilder von einer Welt, in der Gottes Friede / sein Salam / sein Shalom groß sein wird.

Ich bin dankbar über diese Erfahrung des Teilens – und freue mich, dass solche Begegnungen auch in Zukunft in Niederschönhausen möglich sein werden. Teilen wir miteinander und mit anderen, was uns wichtig ist.

 

Tina Rupprecht, Pfarrerin

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